Fabel
Dieses Bild gefällt mir in Schwarzweiß besser, weil die im Original gelben Punkte in der farbentleerten Fassung fast schon leuchten, so hell sind sie. Ebenso der „Vogel" links oben. Als Kind nannte ich die Wesen meines Vaters Hühner, hauptsächlich deswegen, weil sie in einer kleineren, hühnerhaften Version durch ein paar andere Bilder liefen, die ich aufgrund ihrer Komik sehr mochte … Es ist gar nicht einfach zu erklären, wie es ist, in einer Familie aufzuwachsen, in der es von morgens bis abends nichts anderes gab als Kunst: Nichts war wichtiger als Kunst, und wenn man sich mit etwas anderem beschäftigte, wurde man mit spöttischen Blicken bedacht – als hätte man einen Vogel.
Mein Vater entschied sich im Seoul der frühen 1960er Jahre für ein Studium der „westlichen Malerei". Das erscheint mir wesentlich, wenn ich an die Art und Weise denke, wie er Kunst betrieb: stets als Außenseiter. Auch nachdem er in Europa angekommen war, konnte er sich aus dem Status des Außenseiters nicht befreien; das koloniale Machtgefälle, das er bereits in Südkorea erfahren hatte, setzte sich in Deutschland fort, wenn auch mit einem anderen Vokabular.