Landschaft im Schnee

Landschaft im Schnee

Mein Vater mochte es nicht, seinen Bildern Namen zu geben. Vielleicht war es ihm auch einfach lieber, seine Familie in diesen Prozess einzubinden? Ich kann ihn nicht mehr fragen, da er 1989 starb. Für die Namensgebung fanden wir uns im Wohnzimmer ein, wo er das ungetaufte Bild auf den Boden gestellt hatte oder auf einen Stuhl (je nachdem, wie groß es war). Wir durften uns davor aufstellen, nicht zu nah, aber auch nicht zu fern, und Vorschläge machen. Mein Bruder sagte meist wenig, doch meine Mutter und ich versuchten immer, etwas Konkretes in seinen Bildern zu sehen. Wir suchten nach Dingen oder Ereignissen – dieses etwa nannten wir „Landschaft im Schnee".

Heute erscheint es mir unsinnig, dass wir uns stets an der Realität orientierten und nicht abstrakter dachten, die Sphäre der Wirklichkeit verließen oder einfach bei „Ohne Titel" blieben. Denn manche Bilder stellen nicht dar, sondern rufen auf: ein Gefühl.