Losing your native tongue
Aus dem Familienalbum; (c) Anna Kim

Losing your native tongue

severs you not only from your own early life but from the context of your life (…) Your sense of who you are has blank spaces in it, schreibt Julie Sedivy in Memory Speaks. On Losing and Reclaiming Language and Self. Als ich diese Sätze das erste Mal las, war ich entrüstet, sogar ein wenig empört. Schon wieder, dachte ich, schon wieder jemand, der mehrsprachiges Sein pathologisiert, denn ich erinnerte mich an eine Dissertation aus den 1980-er Jahren, in der mehrsprachigen Menschen Identitätskrisen und schwere Depressionen prophezeit worden war. Das tut Sedivy nicht; sie richtet den Blick ins Innere des Individuums, in diesem Fall: in ihr eigenes Inneres. Losing your native tongue, severs you from your own early life, schreibt sie, und nachdem ich meine Abwehr überwunden habe, muss ich zugeben, dass auch ich mich zunehmend von meiner Kindheit entfernt fühle - als würde man mich hochheben und wegstellen. Dabei ist sie zweigeteilt: Ich habe eine koreanische und eine deutschsprachige Kindheit, und die koreanische wird immer kleiner.